DIE ANFÄNGE
(Text: Heinrich Wacker)

Ob in vorgeschichtlicher Zeit Menschen die „Halbinsel“ bewohnt haben, die heute Heisingen heißt, wissen wir nicht.

1953 wurden bei Ausschachtungsarbeiten an der Strasse Spiekbank im 60 cm tiefen Lehmboden mehrere Objekte geborgen, die anschliessend ins archäologische Museum der Stadt Essen gelangten. Erst 1990 wurden diese Objekte bei der Sichtung der Museumsbestände untersucht und die Ergebnisse dieser Untersuchung veröffentlicht. Bei den Fundstücken handelt es sich um Scherben zweier Tongefässe und um Fragmente einer Eisenklinge, eines sog. Sax fränkischer Herkunft aus dem 7. Jahrhundert. Vermutlich waren es Grabbeigaben.

Schon die Neandertaler mögen ihre Streifzüge bis hierher ausgedehnt haben, boten doch die Kalkformationen, die sich bis in das heutige Velberter Stadtgebiet hinein erstrecken, ähnliche Höhlen wie die berühmte Ausgrabungsstätte an der Düssel. Bodenfunde in der näheren Umgebung, so in jüngster Zeit in Essen – Burgaltendorf weisen darauf hin, dass zur Bronzezeit oder schon in der jüngeren Steinzeit die Hänge des Ruhrtals besiedelt waren. Man darf also vermuten, dass in früheren Jahrtausenden wenigstens vorübergehend Menschen hier ihren Aufenthalt genommen oder sogar ihre Hütten gebaut und Felder angelegt haben.

 

DIE FRÜHGESCHICHTE DES DORFES
(Text: Alfred Agatz)

Da aus der frühen Geschichte der Bauernschaft Heisingen wenige Nachrichten erhalten geblieben sind, können die Anfänge der Besiedlung nur aus den vorhandenen Bruchstücken, den Siedlungsformen, der Namensgebung und den bis ins späte Mittelalter hineinreichenden Rechtsbeziehungen rekonstruiert werden. Auf Werdener Geschichtsquellen lässt sich kaum zurückgreifen, da das Dorf Heisingen bereits vorhanden war, als Ludgerus die Gründung seines Klosters begann.

Das Dorf Heisingen ist wie die benachbarten Orte Fischlaken und Bredeney im Verlauf der grossen Siedlungsaktionen der Ripuarier, eines fränkischen Stammes, und der sächsischen Brukterer im Wohngebiet der vermutlich in den Sachsenkriegen untergegangenen Chatuarier oder Katten, also im Hatuariergau, im Verlauf des 7. oder 8. Jahrhunderts entstanden. Nur die Ortsnamen Kettwig (Ruhrübergang der Katten) und Hattingen (Hatnegen) erinnern noch an diesen Volksstamm.

Vor den aus Südwesten vorstossenden Ripuariern versuchten die sächsischen Brukterer, die ihre Selbständigkeit 695 verloren hatten und somit zum Stammesgebiet der Sachsen zählten, von ihrer Herrschaft Steele aus sich an der Landnahme im Tal und an den Höhen der Ruhr zu beteiligen. Zeitweilig war die militärische Lage dazu günstig. Beide Jahrhunderte waren erfüllt von Sachseneinfällen und fränkischen Gegenfeldzügen, die auch unser Gebiet verwüsteten, so dass dauerhafte Ansiedlungen kaum möglich waren. Für die Kämpfe zeugen die alte Burg bei Werden und das Grab eines fränkischen Kriegers aus dem 7. Jahrhundert in Heisingen. Die heidnische Art der Grabbeigaben zeigt, dass der Bestattete noch kein Christ war.

 

DIE BEDEUTUNG DES NAMENS

Nahe Hesingi nördlich des Ruhrufers gelegener ältester Platzname des Groß-Essener Raumes. Zu Grunde liegt die Bedeutung von Holzgewinnung, Zaun, umzäunter Wald, Busch.

 

DIE NEUERE GESCHICHTE
(Aus der Festschrift zum 50. Jubiläum der Bürgerschaft)

1.

Heisingen wurde urkundlich erstmalig im Zusammenhang mit der Abtei Werden im Jahre 796 erwähnt, ist also über 1200 Jahre alt.

Als klösterliche Schenkung war Heisingen in der Folgezeit Rittersitz und Sommerresidenz der Werdener Äbte und somit landwirtschaftlich geprägt.

Nachdem im 17. Jahrhundert Kohle gefunden und deren Bedeutung erkannt worden war, entwickelte sich bereits langsam ein zunächst oberflächlicher Bergbau – erst „eimerweise“ später dann in Kleinzechen. Die Ruhr, die Heisingen umfließt, diente als Transportweg für die Kohle.

Während der Zeit der wirtschaftlichen Rezession – um 1925 – wurde der Baldeneysee als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, zur Wasserregulierung und als Naherholungsgebiet angelegt, der seitdem das Ortsbild von Heisingen prägt, da Heisingen 3-seitig vom Baldeneysee bzw. der Ruhr umgeben ist.

Heisingen wurde am 01.08.1929 der Stadt Essen eingemeindet.

Nach Einsetzen der rasanten industriellen Entwicklung wurden die Kleinzechen dann zu dem Großbetrieb „Carl Funke“ zusammengefasst. Im Jahre 1955 wurden auf der Zeche Carl Funke fast 2500 Arbeitnehmer beschäftigt. Hierdurch veränderte sich das Ortsbild von Heisingen zusehends, obwohl es zu dieser Zeit im Ortsbereich noch 4 Bauernhöfe gab.

Nach und nach wurden die Äcker der Bauern für die Wohnbebauung benötigt. Hierbei entstand nicht nur gehobene Wohnbebauung, sondern auch eine Siedlungsbebauung insbesondere für die Bergleute und die Zechenangestellten.

Mit dem Aufschwung des Wirtschaftsbereiches „Kohle und Stahl“ im Ruhrgebiet wurden immer mehr ausländische Arbeitnehmer angefordert. Im Zusammenhang mit dem Bergbau siedelten sich schon nach dem ersten Weltkrieg zunächst Arbeitnehmer aus Polen an, später folgten dann Italiener, Spanier, Portugiesen, Griechen, Nordafrikaner und Türken. Angehörige all dieser Länder siedelten sich auch in Heisingen an, wo im Übrigen von den Bergbaugesellschaften eine so genannte „Bergbauleitstelle“ unterhalten wurde, von der aus insbesondere der Einsatz der ausländischen Arbeitnehmer koordiniert wurde. In der Heisinger Bergbauleitstelle wurden auch viele ausländische Arbeitnehmer betreut, die an Fortbildungskursen und Schulungen im Bereich des Bergbaus teilnahmen.

Im Jahre 1973 wurde der Betrieb der Zeche Carl Funke stillgelegt. Damit verlor Heisingen seinen mit Abstand größten Arbeitgeber. Von der Bergbaukrise wurde auch Heisingen sehr stark getroffen, weil eine Vielzahl der Einwohner ohne Beschäftigung da stand. Nun wurden nach und nach die gewaltigen Gebäude der Zeche Carl Funke, die sich zumeist unmittelbar am Baldeneyseeufer befanden, abgerissen. Die Gleise der Zechenbahn wurden entfernt (die Bahnlinie von Essen-Kupferdreh über Essen-Heisingen nach Essen-Werden war zuvor schon stillgelegt worden).

Bereiche, die hinter der Zeche am Berghang lagen und u. a. als große Abraumhalden dienten, wurden begrünt und renaturiert. Auf einem Teil des Geländes entstand eine Kleingartenanlage. Erhalten blieben lediglich das Markenhaus oder Torhaus, jetzt Gebäude am Eingang der Kleingartenanlage und von den Kleingärtnern genutzt, das Maschinenhaus, welches leider verfallen ist und der Förderturm, der als Industriedenkmal stehen geblieben ist. Freigelegt wurde eine „geologische Wand“, auf der interessante Sutanverschiebungen zu sehen sind und an deren Fuß ein Wanderweg angelegt wurde. Heute erinnert eigentlich nur noch der Förderturm an die ehemalige Zeche Carl Funke; ansonsten ist das ehemalige Zechengelände in den Naturkreis rund um den Baldeneysee eingegliedert.

Es wird wenige Orte im Ruhrgebiet geben, an denen durch den „einsamen Förderturm“ mitten im Grün des Erholungsgebietes Baldeneysee so deutlich wird, wie der Bergbau, der mindestens 100 Jahre lang die Menschen sowie das Erscheinungsbild der Landschaft und der Stadt geprägt hat, in relativ kurzer Zeit verschwinden konnte, ohne Spuren zu hinterlassen.

Heisingen hat nicht vergessen, dass seine Geschichte und das Schicksal seiner Bewohner lange Zeit mit dem Bergbau eng verbunden war und dieser vielfache Nachwirkungen entfaltet.

Die Natur hat sich ihr Terrain vollständig zurück erobert; Wunden aus der Industriezeit des Bergbaus sind kaum noch zu sehen.

2.

Es gibt zwei geologische Wände als Naturdenkmal. Eine befindet sich im Übergangsbereich zwischen Ruhr und Baldeneysee nahe der „Kampmannbrücke“ in unmittelbarer Nähe der burgähnlichen Anlage „Haus Heisingen“. Dort ist u. a. auch noch ein Stolleneingang mit einer „Lore“ auf einer Kippvorrichtung zu sehen. Die zweite geologische Wand befindet sich auf den ehemaligen Zechengelände Carl Funke und lässt besondere Gesteinsformationen – Sutanverschiebungen – erkennen. Die beiden geologischen Wände liegen unmittelbar an Wander- bzw. Radwegen.

Im evangelischen Seniorenheim „Paulushof“ wurde durch Eigeninitiative eines Museumskreises ein sehenswertes Heimat- und Bergbaumuseum errichtet, in welchem sich eine Vielzahl von Sammelstücken und Modellen aus dem Bergbau und eine Bildersammlung über die Geschichte Heisingens befinden.

Die neugotische katholische Pfarrkirche von Heisingen erhielt eine Innenausstattung, die an die Errichtung des Ruhrbistums erinnert und in fast einzigartiger Weise die Verbindung von „Kohle und Stahl“ zeigt. Die Säulen, die den Altar und den Tabernakel halten, bestehen aus Edelstahl. Das große Altarkreuz besteht ebenfalls aus Edelstahl wie auch ein „Lebensbaum“ der eine goldene Madonna trägt und sozusagen aus der Kohle wächst. Am Altarkreuz und an dem Lebensbaum befinden sich aus Kohle bestehende Geoden, die künstlerisch eingearbeitet worden sind. Auch in den Altar aus Travertin wurde ein Band eingearbeitet, welches Jahrmillionen alte Einschlüsse in Kohle zeigt. Die Kunstwerke in der Kirche erinnern an die erdgeschichtliche aber auch wirtschaftliche Bedeutung von „Kohle und Stahl“.

Die Häuser an der „Carl-Funke-Straße“ wurden ehemals als Bergarbeiterhäuser- bzw. Wohnungen errichtet. Die Carl-Funke-Straße verläuft von der Bahnhofstraße – somit von dem ehemaligen Heisinger Bahnhof – zum ehemaligen Zecheneingangstor – heute Kleingartenanlage. Die Häuser wurden in ihrer ehemaligen Form restauriert und renoviert und vermitteln auch heute noch das Bild einer klassischen Bergarbeitersiedlung. Charakteristisch sind vor allem die an der Seite zum Baldeneysee gelegenen Doppelhäuser, mit einem Stallgebäude, in dem die Bergleute u. a. ihre Ziege – so genannte Bergmannskuh – hielten.

Die Bürgerschaft Heisingen hat in Zusammenarbeit mit dem Museumskreis des Heimat- und Bergbaumuseums im Paulushof und mit Unterstützung der Werbegemeinschaft „Wir für Heisingen“ sowie einzelner Bürger im Ortsbereich von Heisingen einen Denkmalpfad ausgewiesen, auf dem auch die Industriedenkmäler im Zusammenhang mit dem Bergbau besichtigt werden können. Zu diesem Denkmalpfad gibt es eine entsprechende Broschüre mit einer Karte, in der die Industriedenkmäler erläutert werden. Im Zusammenhang hiermit wurden im Ortsbereich von Heisingen bereits 5 Denkmaltafeln aufgestellt. Auf diesen Denkmaltafeln werden die Baudenkmäler grafisch dargestellt und textlich erläutert.

Das Ruhrgebiet schlechthin und auch Heisingen sind davon geprägt, dass durch den Bergbau – später auch durch andere Industriezweige – aus vielen Ländern Arbeitnehmer zugezogen und hier sesshaft geworden sind, worauf bereits hingewiesen wurde.

 

CHRONIK DER HEISINGER DENKMALPFADE

2004 Wanderführer „Heisinger Denkmalpfade“ erscheint

Die Bürgerschaft Heisingen e. V. und der Museumskreis des Bergbau- und Heimatmuseums im Paulushof sind die Herausgeber des Wanderführers „Heisinger Denkmalpfade“ der im Buchhandel oder bei den Herausgebern zum Preis von 2,50 € erworben werden kann.

Mit der Herausgabe führt der Ortsteil Heisingen die Initiative „Denkmalpfade“ weiter, die von den Bürgerschaften Kupferdreh und Rellinghausen / Stadtwald ins Leben gerufen wurde und der sich in nächster Zeit weitere Stadtteile anschliessen werden. Die Kennzeichnung einzelner Objekte mit Plaketten, die das Wappen des Ortsteils Heisingen tragen, und die beim Maisingen 2004 am alten Rathaus begonnen wurde, wird nun weitergehen. An markanten, historisch bedeutsamen Stellen, werden Erläuterungstafeln installiert.

Die Essener Bürgervereine Kupferdreh, Rellinghausen / Stadtwald, Heisingen, Burgaltendorf, Rüttenscheid, Werden, Steele und Überruhr knüpfen derzeit ein Netz von Denkmalpfaden: www.buergervereine-essen.de/html/denkmalpfade.html

Der kleine Wanderführer, passend für die Westentasche und mit einer Karte ausgerüstet, wurde von Horst Lich geschrieben und gestaltet. Er kennt Heisingen und seine Bergbaugeschichte wie kaum ein anderer. Das Kapitel, das sich mit dem alten Dorf befasst, wurde von Ilse Cram mitgestaltet, die seit über zwanzig Jahren die Geschichte der Heisinger Höfe erforscht und deren Zeugnisse für das Museum sammelt und auswertet.

Heinrich Wacker schlug mit einem Vorwort zur Heimatgeschichte die Verbindung zu dem vor acht Jahren herausgebrachten Heimatbuch „Heisinger Spaziergänge“.

2006 Errichtung der Denkmaltafeln:

1. „Kapelle / Kapellenhöfe“ am Standort der ehemaligen Kapelle am Kreisverkehr Heisinger Str. / Bahnhofstr.

KAPELLENHÖFE / KAPELLE (im PDF Format)

2.„Dorfhöfe“ an der Ecke Bahnhofstr. / Stemmering

DORFHÖFE (Text) / DORFHÖFE (Bild) (im PDF Format)

2007 Errichtung der Denkmaltafeln:

3. „Die Bahnhofstraße“ an der Georgschule am Kreisverkehr Heisinger Str. Bahnhofstr.

BAHNHOFSTRASSE (Links) / BAHNHOFSTASSE (Rechts) (im PDF Format)

4. „Die Berghöfe“ an der Ecke Baderweg / Geismarweg

BERGHÖFE (Text) / BERGHÖFE (Bild) (im PDF Format)

2008 Errichtung der Denkmaltafel:

5. „Rund um den Tannenberg“ in der Nottekampsbank gegenüber der jetzt nicht mehr vorhandenen Gaststätte „Zum Nussbaum“.

TANNENBERG (Links) / TANNENBERG (Rechts) (im PDF Format)

2010 Errichtung der Denkmaltafeln:

6. “Hofgelände des Bermannshofes” in der Nottekampsbank gegenüber der jetzt nicht mehr vorhandenen Gaststätte „Zum Nussbaum“.

HOFGELÄNDE DES BERGMANNSHOFES (im PDF Format)

7. Die Geschichte Haus Heisingens Im Innenhof von Haus Heisingen

HAUS HEISINGEN (Links) / HAUS HEISINGEN (Rechts) (Im PDF Format)

2011 Errichtung der Denkmaltafel:

8. Carl Funke / Hundsnocken am Fuß des Fördergerüsts Carl Funke I

CARL FUNKE / HUNDSNOCKEN

Haben Sie Interesse, Sponsor für eine weitere Denkmaltafel zu werden? Dann wenden Sie sich bitte an Heinrich Wacker, Tel. 0201-464180, heinrich.wacker@heisingen.de!

Neuigkeiten:
April 2010 Zwei neue Infotafeln für den Heisinger Denkmalpfad

Im Kulturhauptstadtjahr 2010 konnten die Bürgerschaft Heisingen e. V. und das Bergbau- und Heimatmuseum im Paulushof den Heisinger Denkmalpfad dank großzügiger Sponsoren um zwei weitere Infotafeln bereichern, die wie auch alle bisherigen von Herrn Horst Lich geplant und gestaltet worden sind.

Die Tafel „Geschichte des Hauses Heisingen“ befindet sich im Zugang zum Innenhof der Burganlage. Sie wurde gestiftet vom Besitzer Herrn Herrmann Sonnenschein, der in den letzten Jahrzehnten Wehrmauer und Vorburg Zug um Zug renovierte oder wiederherstellte. Mit privaten und öffentlichen Mitteln (Denkmalpflege, Städtebauförderung) konnte so in den Gebäuden der Vorburg Wohnraum erhalten oder neu errichtet werden. Im Rahmen des Essener Konsenses sorgte hierbei eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen.

Die Tafel: „Hofgelände des Bergmannshofes“ komplettiert nun dank der Spende von Herrn Ernst-Ludwig Diehl und seiner Geschwister die Reihe der Tafeln im Bereich der sog. Heisinger Berghöfe. Sie zeigt exemplarisch, mit welcher Mühe und Sorgfalt unter starkem persönlichen Einsatz der Bewohner die „Leibzucht“ (das Altenteil) des Bergmannshofes (Nottekampsbank 98 a) renoviert werden konnte.

Mit dem Fachwerkhaus der Leibzucht der alten Butenberghofes, (Nottekampsbank 100) dessen Restaurierung auf der daneben stehenden von Herrn Ernst Wilhelm Schleipmann vor zwei Jahren gesponserten Infotafel „Rund um den Tannenberg“ dokumentiert wurde, ist so ein bemerkenswertes historisches Ensemble in den Blickpunkt gerückt worden.

August 2008

Dank einer grosszügigen Spende von Herrn Ernst-Wilhelm Schleipmann konnten die Bürgerschaft Heisingen e.V. und das Bergbau- und Heimatmuseum im Paulushof, die Infotafel “Rund um den Tannenberg”, aufstellen. Horst Lich hat auch diese Tafel wie alle bisherigen gestaltet und hier die wechselvolle Geschichte eines der interessantesten Plätze Heisingens akribisch in Wort und Bild nachgezeichnet.
1918 stürzte am Ostabhang des Geländes ein Großraumflugzeug der Deutschen Luftwaffe ab. Da hierbei einige Flieger den Tod fanden, wurde der Platz Tannenberg genannt zur Erinnerung an die Schlacht in Ostpreußen 1914 und das sog. Fliegerdenkmal errichtet.
In den zwanziger Jahren baute die Gemeinde Heisingen hier einen zweiten Sportplatz, auf dem im Laufe des zweiten Weltkrieges dann Baracken für einige vom Bombenkrieg aus Essen vertriebene Werksverwaltungen errichtet wurden. Einige dienten später auch als Notwohnungen.
Nach dem Kriege ließ sich die Bergbauleitstelle hier nieder, die alle aus ganz Deutschland zugezogenen Bergleute durchlaufen mussten, um dann einer Zeche zugeteilt werden zu können. Auch die Versorgung der Bergleute mit knappen Gütern wurde von hier aus organisiert.
Die Gaststätte „Zum Nussbaum“, hervorgegangen aus dem Butenbergshof, war jahrzehntelang ein beliebtes Ausflugsziel. Im Saale wurden auch große Feste gefeiert. Legendär ist die Übertragung einer Karnevalsfeier im Westdeutschen Rundfunk, die Werner Kreuzenbeck präsidierte.
Heute erfreuen sich die Anwohner des Nussbaumwegs an der schönen Lage des Tannenbergs hoch über dem Ruhrtal.

DAS HEISINGER WAPPEN ∙ WEHRANLAGE MIT KUGELN

Das Wappen von Heisingen zeigt eine Zinnenmauer mit steinernem Rundbogentor und deutet unverkennbar eine Wehranlage an. Diese heraldische, stilisierte Andeutung ist wohl jedem Heisinger bekannt und als “Haus Heisingen“ ein Begriff ehrwürdiger Vergangenheit. Eine Vergangenheit, und hier sind sich die Historiker einig, die im Raum und Umgebung Essens nicht ihresgleichen hat.

Haus Heisingen zählt zu den ältesten Befestigungsanlagen weit und breit. Als gesichert gilt, dass die Wehranlage auf dem ehemaligen Werdener Oberhof Coefeld Kofeld entstand. Als erster Aufsitzer dieses Werdener Mannslehen sind die von Dücker nachweisbar. Seit 1453 sind die Adeligen und späteren Freiherren Stael von Holstein Haus und Hofbesitzer von Haus Heisingen. Daran erinnern die kreisförmig angeordneten Kugeln über der Zinnenmauer im Heisinger Wappen. Die Stael von Holstein führen im silbernen Schild acht rote Kugeln, die sich in der Helmzier an den Aussenseiten der Büffelhörner wiederholen. Die Stael von Holstein, ein weit verzweigtes und reich begütertes Geschlecht, sassen über zweihundert Jahre auf Haus Heisingen.

Von den wechselvollen Geschehnissen macht dieses wohl nachdenklich: Um den Heisingern den oft beschwerlichen Weg zur Werdener Kirche, zu der man auch über den Fluss musste, zu ersparen, erbaute Robert Stael von von Holstein, eine Kapelle auf eigenem Grund und Boden. Diese löbliche Absicht stieß auf heftigen Unmut seitens der Werdener Pfarrer, und der Abt verweigerte die Weihe.

Grund der langjährigen Querelen waren Vorteile und Geldeinnahmen, auf die man in Werden nicht verzichten wollte. Auf Vogtsebene – der Herzog von Cleve sprach ein Machtwort – wurde eine Einigung zugunsten der Heisinger erzielt. Doch nach dem Tode Roberts fing das gleiche Spiel an. Die Werdener forderten die Schließung der Kapelle. Sein Sohn Lutter Stael von Holstein ignorierte diese Forderung und wurde exkommuniziert. Wieder war es der Herzog von Cleve, der den Heisingern beistand und mit dessen Hilfe Lutter vom Bann freigesprochen wurde. Das Patronat der Heisinger Kapelle blieb bis 1528 in der Familie Stael von Holstein.

Für die Erstellung und Ausführung des Wappens zeichnet der Ziseleur, Graveur und Heraldiker Kurt Schweder aus Steele verantwortlich. Familien und Stadtteilwappen gehören zu seinem Spezialgebiet.

BERGBAU- UND HEIMATMUSEUM

www.museum-heisingen.de

Wenn Sie umfangreicher und anschaulicher über die Geschichte Heisingens Informiert werden wollen, lohnt sich ein Besuch:

Das Bergbau- und Heimatmuseum im Paulushof der evangelischen Kirchengemeinde in Essen Heisingen ist kurz nach dem Bau des Altenzentrum Paulushof im Jahr 1984 entstanden. Sein Initiator war der damalige Pfarrer Werner Hamacher.

Das Museum sollte eine Erinnerung sein an die Zeche Carl Funke (1973 stillgelegt) und die Menschen, die dort gearbeitet haben. Es gliedert sich auf in ein Bergbaumuseum und ein Heimatmuseum.

BERGBAUMUSEUM

In zahlreichen Bildern, Schautafeln, Modellen und einem Film wird die Geschichte des Bergbaus in Heisingen von seinen Anfängen mit Kohlegraben und Stollen im 16. Jahrhundert bis zum modernen Tiefbau dargestellt.

Neben der Entwicklung der Bergbautechnik wird die Entstehung der Kohle, deren Altersbestimmung und die Geschichte der Essener Steinkohlenbergwerke AG beschrieben. Darüber hinaus sind alte Urkunden, Lagepläne, Kuxscheine und viele Geräte zu sehen.

HEIMATMUSEUM

Die Dorfgeschichte Heisingens beginnt mit Urkunden um das Jahr 800 und wird fortgesetzt mit der Zugehörigkeit zur Abtei Werden. 23 Bauernhöfe zeugten bis zur Säkularisation 1803 von einer gleichbleibenden landwirtschaftlichen Nutzung.

Ausarbeitung und alte Fotos aus dem 19. Jahrhundert zeigen die Entwicklung des Dorfes. Durch die Ruhr und den Baldeneysee wurde Heisingen im 20. Jahrhundert zu einem beliebten Ausflugsziel und Wohnort in Essen.